Autorin: Brigitte Riebe

Die Autorin hat sich mit diesem Buch tief in die doch sehr konservative historische Welt Anfang des 13. Jahrhunderts gewagt und einen Kriminalroman geschaffen, wie er ganz sicher auch hätte wirklich stattfinden können. Im Grunde mag der Leser sich zu Ende des Buches sogar fragen, ob das Ganze nicht sogar wirklich passiert ist....

Zunächst einmal bin ich selbst immer sehr kritisch, wenn es darum geht, historische Romane zu lesen. Aber Brigitte Riebe hat mich hier definitiv überzeugt und es geschafft, mich schon nach wenigen Seiten an das Buch zu fesseln.

Es geht natürlich nicht im Wesentlichen um Franz von Assisi, der wohl hinlänglich bekannt sein dürfte. Aber wir wandeln auf seinen Spuren und folgen seinem Weg. Wir erfahren von einem Mord an der Nonne Magdalena, die dreißig Jahre nach der Zeit Assisis hinter den heiligen Klostermauern von San Damiano in Umbrien stattfindet bzw. dessen Geheimnis dort zu finden sein wird...

Bruder Leo wird als Visitator entstandt, um mit Mutter Chiara, der sehr alten Äbtissin des Klosters, zu sprechen, um zu prüfen, ob die Einlassung der Äbtissin beim Papst rechtens ist - Mutter Chiara wünscht für den Orden die Absolution, in Armut leben zu dürfen, ganz nach den Gesetzen Franz von Assisis.

Doch Leo gerät mitten in den Wirrwarr um den Mord an Schwester Magdalena, rettet bereits kurz nach seiner Ankunft im Ort Stella, ein Pflegekind eines örtlichen Kaufmanns, vor einem tödlichen Pfeil und steckt bald mitten im Sog um die Geheimnisse, die die heiligen Stätten Assisis in sich verbergen. Die Autorin führt uns durch Umbrien und seine malerischen und einöden Gegenden und lässt uns quasi wandeln auf den Spuren Assisis. Sie übt aber auch Kritik an den Gepflogenheiten der Kirche, während sie uns die Parallelen im Leben Franz von Assisis und seiner langen Weggefährten Klara (Mutter Chiara) sowie des Schicksals des Bruders Leo und auch Stellas einführt. Natürlich war diese erste Begegnung der beiden nicht die letzte gewesen, und letzten Endes ist Stella für Leo, der die einheimische Sprache nicht zu hundert Prozent beherrscht, eine große Stütze. Umso überraschender, als der Leser erfährt, welch Aufgabe und vor allen Dingen Auflösung Leo und Stella zutage bringen...

Schritt für Schritt puzzelt sich ein sagenhaftes Bild durch den Roman, und bald wird klar, dass Leo Mutter Chiaras Bemühungen, den Mord an Schwester Magdalena als Unfall darzustellen, sehr schnell und gut durchschaut hat - und schließlich deckt er ein unfassbares Geheimnis auf... nicht, ohne sich selbst und auch Stella immer wieder in Gefahr zu bringen, werden die beiden bei ihrer Reise doch durch eine Reihe von Todesfällen verfolgt und geraten selbst unter Verdacht...

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und war zunächst als Verlagslektorin tätig. Die 1953 geborene Autorin, die mit ihrem Mann in München lebt, hat weitere historische Romane geschrieben, u. a. "Pforten der Nacht", "Schwarze Frau vom Nil", "Die Prophetin vom Rhein" und zwei erfolgreiche Romane um den Jakobsweg, "Die sieben Monde des Jakobus" und "Straße der Sterne".

"Die Braut von Assisi" ist der erste historische Krimi aus ihrer Feder, und meiner Meinung nach dürfen da gerne noch mehrere folgen!

Rezensiert von A. Steidel
Das Buch ist 494 Seiten stark und im Diana Verlag erschienen.
ISBN: 978-3453290808