Regine Leisner - Unter dem Rabenmond
Autorin: Regine Leisner
Während wir uns im Erstwerk "Die Rabenfrau" noch etwa 11000 Jahre zurück in der Steinzeit befanden, reisen wir nun mit "Unter dem Rabenmond" etwa 3000 Jahre weiter in unsere Zeit und landen so an der Schwelle zur Bronzezeit. Auch dieser historische Roman spielt sich in deutschen Gebieten um Franken ab.
Rhagna fliegt mit den Raben. Doch ist das Mädchen alleine und kann sich zunächst niemandem anvertrauen. Sie wächst bei ihrer Großmutter auf, nachdem ihre Mutter bei der Geburt gestorben und der Vater daraufhin auf Wanderschaft gegangen ist - normal für damalige Verhältnisse. Männer ohne feste Frau waren nun einmal Wanderer. Rhagnas Verbundenheit mit der Natur bleibt jedoch nicht unentdeckt: eines Tages offenbart sie sich ihrer Großmutter, die daraufhin mehr mit Wut als Verständnis reagiert. Sie wird mehr und mehr zur Außenseiterin im Dorf - deutlich ist zu spüren, dass sie anders ist als die anderen Kinder. Kurz darauf, als sie etwa ihr 14. Lebensjahr erreicht hat, wird sie zur Frau geweiht und erfährt fortan einiges um die Geheimnisse und Traditionen, die die Frauen im Dorf nach wie vor betreiben und überliefern. Während der Zeremonie selbst jedoch wird Rhagna eines klar: zwar ist ihre Großmutter die Dorfälteste und Zeremonienleiterin, doch wirklichen Kontakt zu ihrer Göttin Holl hat sie nicht. Die Tatsache, dass ihre Enkelin dies entdeckt, spürt die Großmutter und meidet Rhagna fortan noch mehr.
Als eines Tages Streitaxtkrieger das Dorf besuchen, wird Rhagna von ihnen entführt. Der Anführer Tholik, Sohn des Großherren der Eichelberge, vergewaltigt sie. Zunächst arbeitet sie als Sklavin am Hof des Großherren. Immer wieder lässt Tholik sie zu sich holen, um seinen Spaß mit ihr zu haben. Als sie ihr Amulett aus seinen Räumen zurückstiehlt, welches er ihr bei der Verschleppung abgenommen hat, wird sie erwischt. Tholik will Rhagna töten. Gerade, als er zum letzten Hieb ansetzt, kommt der Großherr Ethomir in sein Land zurück und weist seinen Sohn in die Schranken. Ethomir entdeckt, dass das Amulett, das Rhagna bei sich hat, das Amulett ist, welches er vor Jahren einer Frau im Bauerndorf schenkte, die ihm das Leben gerettet hatte - Rhagnas Mutter.
Während eines Gesprächs mit Ethomir kommt es zu einer Situation, mit der beide nicht gerechnet haben: Rhagna bittet Ethomir, sie zur Nebenfrau zu nehmen. Der nahezu 40 Jahre ältere Mann möchte ihr das zunächst ausreden, erkennt aber ihre Klugheit, ihr Wahrnehmungsvermögen, ihr Verständnis - und ihre Liebe. Tiefe Verbundenheit empfinden sie füreinander. Ethomir willigt schließlich ein. sehr zur Verbitterung Tholiks und zur äußersten Überraschung seiner Erstfrau und des Volkes. Sie haben gute und innige Zeiten miteinander. Rhagna begleitet Ethomir oft auf seinen Reisen durch die Dörfer. Er sorgt auch dafür, dass sie noch einmal in ihr Dorf geht, um sich mit der Großmutter und ihrer Sippe auszusöhnen.
Als Ethomir stirbt, schickt er sie fort. Die Gepflogenheiten der Sippe besagen, dass die Nebenfrau mit dem Großherren begraben werden muss. Er will Rhagnas Tod nicht und ruft nach Jord, seinem nicht anerkannten Sohn, der von der Sippe verstoßen wurde. Jord soll Rhagna wegbringen. Doch so weit kommt es nicht - Jord ist selbst auf Reisen, die Nachricht erreicht ihn erst am Begräbnistag des Großherrn. Rhagna ist bereits zusammen mit zwei Knechten und Kriegern weg. Tholik lässt sie verfolgen. Die Angreifer können zwar ihre Begleiter, aber nicht Rhagna ergreifen - sie entkommt und findet sich kurz darauf in Haelgunns Hütte wieder. Die alte Hagfrau nimmt Rhagna als Schülerin auf und bildet sie zu ihrer Nachfolgerin aus.
Doch kurz vor der Prüfung stirbt die weise Hagfrau. Rhagna ist verzweifelt und weiß nicht, was sie tun soll.Sie fühlt sich allein und auch von Holl im Stich gelassen.
Kurze Zeit darauf trifft sie auf Cadain, einen Glockenbechermann, in Begleitung eines Ägypters. Er sucht Haelgunn. Sie erkennt ihn als den Mann wieder, den sie bereits auf einem ihrer Streifzüge getroffen hat. Sie spürt eine tiefe und lange zurückliegende Verbundenheit, auch wenn sie diese nicht wahrhaben möchte. Eine Weile später offenbart sie sich ihm aber und berichtet vom Tod der alten Hagsitzerin. Cadain ist getroffen von dieser Nachricht, hatte er doch dringend ihre Hilfe benötigt. Er begreift, dass Rhagna zur Nachfolgerin ausgebildet wurde und erfährt, dass die letzte Prüfung noch nicht vollzogen ist - und auch er spürt die tiefe Verbundenheit zu Rhagna und die Verknüpfung ihrer beider Schicksal.
Der Rabe kommt erneut zu Rhagna und erinnert sie daran, dass sie noch diese letzte Prüfung zu bestehen hat - und er ermahnt sie, sich Cadain anzuschließen, weist sie darauf hin, dass sie ihren künftigen Weg nicht alleine gehen kann, dass sie Hilfe braucht und Cadain der Schlüssel dafür ist.
Und so erweist es sich auch. Viele Ereignisse und Prüfungen stehen den beiden und den Bewohnern des Dorfes um Jord vor. Auch für das Hügelvolk unter Tholiks Herrschaft ändert sich vieles - nicht nur zum Guten. Viele sehnen sich nach der Zeit unter Ethomirs Herrschaft zurück und wünschen den Sturz Tholiks, andere sonnen sich in seinem Schatten und genießen die herrschende Völlerei und den Luxus. Die Ereignisse überstürzen sich... das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Doch welche Geschehnisse das sind und um was genau es geht - das dürft ihr natürlich selbst nachlesen. Umfassende Informationen und insbesondere die Entstehungsgeschichte des Romans und die kulturhistorischen Hintergründe können auf der Website der Autorin, www.regine-leisner.de, nachgelesen werden.
Das Buch ist 430 Seiten stark und im ullstein Verlag erschienen.
ISBN 978-3-548-28138-4
Rezensiert von: A. Steidel