Autor: Roddy Doyle

Als mich meine Freundin fragte, wie mir das Buch gefallen hat, gingen mir mehrere Sätze durch den Kopf. Ich habe gesagt, ich habe kalte Füße beim Lesen bekommen. Das musste ich ihr dann genauer erklären. Roddy Doyle hat dieses Jugendbuch so gut geschrieben, dass ich in den Teilen, die in Finnland spielen, wirklich die Kälte durch die Seiten des Buchs spüren konnte!
In dem Buch „Wildnis“ geht es um zwei Brüder, Tom und Johnny, die mit ihrer Mutter Urlaub in Finnland machen. Die Mutter „flüchtet“ ein wenig vor ihrer Stieftochter, Gráinne, ein Mädvchen, das man ruhig als „schrecklichen Teenager“ beschreiben kann. Sie redet kaum, ist verschlossen und provoziert eher ihre Umgebung. Als Gráinne zwei Jahre alt ist, verlässt sie ihre Mutter. Unter dieser Trennung und weil sie nie erfuhr, warum die Mutter ging, leitet sie.
Die Jungs sind begeistert, freuen sich auf Fahrten mit dem Hundeschlitten. Jeder Erwachsene fährt in einem eigenen Hundeschlitten, nur die beiden Jungs sind noch zu leicht, um die Bremse treten zu können, fahren mit dem Hundeführer mit. Tom und Johnny schließen Freundschaft mit dem Hundeführer und den Hunden. Finnland, die ‚Wildnis’ fasziniert die Brüder so, dass sie sogar vergessen, sich zu streiten.
In diese Geschichte um die Jungs webt Roddy Doyle die Geschichte ihrer Schwester, die in Dublin bei ihrem Vater geblieben ist, sachte mit ein. Denn Gráinne bekommt Besuch von ihrer Mutter. Nur wie soll sie damit umgehen? Will sie überhaupt mit ihrer Mutter reden? Welche Gefühle sind in Gráinne beherrschend? Wut? Trauer? Enttäuschung? Während ihre Brüder und ihre Stiefmutter ihr Abenteuer im winterlichen Finnland erleben, lernt sie ihre leibliche Mutter kennen.
In Finnland ist die Reisegemeinschaft wieder mit dem Hundeschlitten unterwegs und als alle angekommen sind, merken Tom und Johnny, dass ihre Mutter fehlt. Als der Suchtrupp nach kurzer Zeit erfolglos wegen der Dunkelheit zurück kehren, nehmen sie die Brüder je einen Schlitten und gehen auf DAS Abenteuer ihres bisherigen Lebens: Sie suchen ihre Mutter!
Doyle hat ein atmosphärisches Jugendbuch geschrieben, dass Jungs fasziniert, die mit Tom und Johnny mit fiebern und auch Mädchen lieben werden, wenn sie mit Gráinne mitfühlen.
Einfache, kurze Sätze, die Handlung, in der der Erwachsene schon seine Lücken entdeckt, ist fesselnd geschrieben.
Wie ich anfangs geschrieben habe, hat Roddy Doyle es geschafft, dass wir beim Lesen die Kälte spüren, die der Fahrtwind im Hundeschlitten ins Gesicht weht. Und auch das macht dieses Buch so lesenswert!
Das Buch „Wildnis“ von Roddy Doyle ist im cbj-Verlag erschienen.
Rezensiert von S.Brach
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: cbj 
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3570135532