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Autor: Sebastian Fitzek

Perpetuum morbile, so nennt er sein Werk. Das sind Geschichten, die niemals begonnen haben und auch niemals enden werden. Geschichten, die vom ewigen Sterben handeln. So eines also ist „Der Augensammler“. Eingangs sagt der Autor gleich – ich zitiere: „Ich weiß nicht, wie Sie an diese Zeilen geraten sind. Ich weiß nur, dass sie nicht für Sie bestimmt sind“. Nun – wieso nicht? Schließlich hast Du sie ja geschrieben – für mich, für viele andere Leser, denke ich. Also will diese Geschichte auch gelesen werden – von mir. Und ich habe gelesen… 442 Seiten, an denen ich regelrecht geklebt bin. Warum? Tja, also – weil ich wissen wollte – liege ich richtig? Habe ich den wahren Täter entdeckt, den „Augensammler“, der sich über diesen Ausdruck entrüstet, entlarvt? Nur, um ein paar Seiten später zu glauben – oooh Mist, voll daneben – und dann irgendwie doch auf der richtigen Spur zu sein – so dachte ich immer wieder, bis mir zu Anfang endlich – ja, zu Anfang! – die Lösung offenbart wurde – ich war auf der richtigen Fährte, ließ mich von Sebastian Fitzek allerdings doch immer wieder etwas aus der Bahn werfen, um letzten Endes doch wieder auf dem richtigen Weg zu landen – auf der Suche nach dem Augensammler, zusammen mit Polizeireporter Alexander Zorbach und der faszinierenden, blinden Physiotherapeutin mit Shiatsu-Massage-Technik Alina  Gregoriev.

Heftig, heftig, dachte ich aber auch des öfteren – zum Glück lese ich einen Psychothriller, keine wahre Begebenheit. Zu grausam die Bilder, die der Autor mitunter in diesem ältesten Spiel der Welt – dem Versteckspiel - malt – und zu diffus, skurril und böse die Gedankengänge einer morbiden, geschundenen Seele, die eigenen Angaben zufolge schließlich nur das Beste für die Opfer will – das Wohl der Familie. Aha. Komische Vorstellung von Familie – die Mutter grausam – aber immerhin noch schnell - zu ermorden, die Kinder zu verstecken und einen Countdown in Form einer Stoppuhr zu verwenden, um jeden Sucher wissen zu lassen – hey, so viel Zeit hast Du noch, den Nachwuchs zu finden – lebendig. Und warum? Um die Väter dieser Welt auf die Probe zu stellen – ein Liebestest zum Wohl des Kindes. Man müsste auflachen, wenn manch Szene dieser Story nicht so abgrundtief surreal und grausam wäre – und doch packend bis zur letzten Minute.

Sebastian Fitzek hat mit „Der Augensammler“ einen Thriller geschaffen, der unterhält, der packt, der mitfühlen lässt – und gleichermaßen eine Lektion in Sachen Umgang mit Blinden erteilt. Gut recherchiert, hat er gerade mit der Figur Alina Gregoriev eine absolut autentische und fantastische Frau geschaffen, die sich durchaus auch als Schlüsselfigur in der Story erweisen soll und immer wieder mit einem Hauch Sarkasmus und Witz punktet. In die Vergangenheit sehen kann sie, wird vermittelt – doch was wirklich an ihrer Hellsichtigkeit dran ist, dürfte sie letzten Endes selbst am meisten erschrecken – sollte sie jemals die Wahrheit erfahren. Ob sie das wird? Fitzek verrät es nicht, zumindest noch nicht. Sein Plan, irgendwann einmal wieder über Zorbach und Gregoriev zu schreiben, lässt allerdings hoffen… wenn man überhaupt hoffen darf. Zufall oder Schicksal – das ist bei „Der Augensammler“ schließlich bis zuletzt die alles entscheidende Frage.

Sebastian Fitzek wurde 1971 geboren, lebt in Berlin, liiert und hat zwei Hunde. Seine Ideen reifen mitunter gerade während einer Autofahrt mit seinen Hunden, die er zuweilen dann sogar vergisst. Nach anfänglichem Tiermedizin-Studium schloss er das Jurastudium mit erstem Staatsexamen ab und promovierte im Urheberrecht zum Dr. jur. Bereits während des Studiums absolvierte er ein Volontariat bei Radio 104.6 RTL in Berlin. Später war er Unterhaltungschef und Chefredakteur beim Berliner Rundfunk uns selbstständiger Unternehmensberater für Hörfunkunternehmen. Auch realisierte er TV-Show Konzepte für etablierte Produktionsfirmen, so auch de Prime-Time Show mit Johannes B. Kerner. Noch heute fungiert er als stellvertretender Programmdirektor für 104.6 RTL. Fitzek bezeichnet sich selbst als jemanden, der es nicht schafft, im Hier und Jetzt zu leben und den Moment zu wahren.

Rezensiert von Anke Steidel
ISBN 978-3426198513, erschienen im Droemer/Knaur Verlag (01.06.2010)