>

Autor: Gerd Scherm

Nicht der erste göttliche Sagenroman von Gerd Scherm, der ein wenig auf die Schippe genommen wird. Wer sich ein bisschen mit der Materie auskennt, wem germanische Götter und die Nibelungen-Saga nicht fremd sind, der wird sich hier gut aufgehoben fühlen.

Mit Witz und Ironie nimmt Scherm den Epos um die Nibelungen unter die Lupe, malt Stories um die Götter Odin, Loki, Freya, Mot und andere. Nicht zu vergessen GON, den Gott ohne Namen, der dem Schreiber Seshmosis das Leben mehr oder weniger durcheinanderwirbelt, hat der doch endlich in Tani, einer hübschen Kaufmannstochter, gefunden und ist sehr verliebt. Doch GON hat einen andern Plan mit ihm und schickt ihn zunächst durch die Zeit ins ferne Worms, wo Seshmosis eine nicht unwesentliche Rolle bei den Nibelungen spielt. Eigentlich war er losgezogen, um einen seiner Nachfahren zu retten, der sich letzten Endes als von Loki verwandeltes Eichhörnchen entpuppt und gar nicht gerettet werden will. Ratatöskr, so heißt sein künftiger Verwandter, zieht das vierbeinige Leben im Weltenbaum als Botschafter zwischen den mystischen Tieren vor. 

Viel Tohuwabu, Ränkeschmiederei zwischen den Göttern, ein Göttermord an Baldur, die Flucht der Göttertiere und deren Rückkehr und die lange Reise von Seshmosis bringen die Nibelungensaga auf eine völlig andere Sicht dem Leser näher. Wobei, genauer betrachtet, muss ich schon sagen, spielen die Nibelungen eigentlich eine untergeordnete Rolle und bringt das Gesamtgeschehen als wunderbares Brückenglied zusammen. Und wer wissen will, wie der Drache Siegfried besiegte und wer Hagen von Tronje denn wirklich ist, der sei wirklich angehalten, zu diesem Buch zu greifen.

Wer also mehr von Walhalla, Hel, Asgard, germanischen Gottheiten und einem aufstrebenden Schreiber wissen möchte, der soll sich ruhig mal die Zeit nehmen, ich diesem Roman zu widmen. Er wird definitiv durch gute Unterhaltung belohnt. "Die Weltenbaumler" ist bereits das 3. göttliche Werk des Autors. Zuvor sind "Der Nomadengott" und "Die Irrfahrer" erschienen. Und so nebenbei könnt Ihr Dank des dritten Bandes auch noch das Runenalphabeth lernen, welches im Anhang zu finden ist und jedes Kapitel schmückt.

Gerd Scherm wurde 1950 geboren und ist ein fränkischer Autor und bildender Künstler. Für "Der Nomadengott" wurde er 2004 auf der Leipziger Buchmesse mit dem Books on Demand Autoren Award ausgezeichnet. Als bekennender Freimaurer gehört er zur Loge "Zu den drei Türmen" in Rothenburg-Dinkelsbühl.

Rezensiert von A. Steidel
400 Seiten, Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453523999