Rebecca Lolosoli & Birgit Virnich - Mama Mutig - Wie ich das erste Frauendorf Afrikas gründete
Autoren: Rebecca Lolosoli und Birgit Virnich
Nootulan ist Tochter des großen, gütigen und weisen Samburu-Chiefs Ditan Lasangurikuri, deren Vaterschaft er ganz nach alter Nomadensitte durch den Ausruf "Diese hier gehört mir" bestätigt hat. Sie ist sein Lieblingskind, und entgegen jeder Tradition betraut er sie mit der Aufgabe der Ziegenpflege und -zucht. Mädchen der Samburus haben eigentlich keinerlei Anrecht auf Ziegen. Ihr Vater erklärt ihr, dass die Ziegen der Reichtum der Familie sind. Nootulan nimmt ihn sehr ernst und erweist sich als überaus würdig.
Ein Grundstein, der diesem Buch, welches Biografie, Dokumentation und Heldinnenroman zugleich ist, die richtige Basis mit auf den Weg gibt. Die Basis, die verstehen lässt, warum Rebecca ist, wer sie ist und wie sie ist.
Obwohl sie erst gut neun Jahre alt ist, als sie Zeugin eines Ehefrauenmordes wird, hat sich dieses Erlebnis in ihre Seele gebrannt und in dieser Nacht einen Schwur reifen lassen: sobald sie erwachsen wäre, würde sie gegen diese Unmenschlichkeit vorgehen.
Und dieses Versprechen prägt Nootulans Weg. Nach ihrer Hochzeit, mit welcher sie auch ihren Mädchennamen verliert und fortan Rebecca Lolosoli genannt wird, scheint es zunächst, als könne sie mit ihrem bis dato unbekannten Ehemann eine gute Ehe führen. Doch ihre Schwiegereltern machen ihr einen dicken Strich durch die Rechnung: von Anfang an sind sie gegen sie, boykottieren sie und nehmen sie nicht - jeder Tradition zum Trotz - in die Familie auf. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und geht ihren Weg: während ihr Mann unter der Woche zur Arbeit außer Haus ist, baut sie sich nach und nach eine kleine Duka auf, einen Verkaufsladen, in dem sie für die Frauen in der Umgebung die dringend benötigten und nur schwer zu beschaffenen Dinge des täglichen Lebens zu fairen Preisen anbietet. Mit dieser Arbeit wird sie auch mehr und mehr zur Vertrauten der Frauen. Rebecca unterstützt und hilft den Frauen, wo sie nur kann.
Als immer mehr Frauen von englischen Soldaten vergewaltigt und von ihren Ehemännern aus der Familie gestoßen werden, reift Rebeccas Wunsch, auch hier einzugreifen, immer mehr, und bestärkt durch ihre Freundin Nagusi beschließt sie, ein Frauendorf zu gründen. Die Frauen sind hellauf begeistert. Schnell ist auch der Name des Dorfes gefunden: Umoja, das bedeutet: zusammen.
Ich möchte aber gar nicht mehr von diesem Buch preisgeben. Es ist für mich zu einem wirklich besonderen Buch geworden, über das ich tatsächlich auch einige Tage nachdenken musste, bevor ich diese Rezension überhaupt verfassen konnte. Rebeccas Wesen, ihre Liebe, ihre Aufopferung, Ihre Tapferkeit und ihr Schicksal haben mich auch heute noch, über zwei Wochen nach Fertiglesen des Buches, nicht losgelassen, so sehr hat sie mich beeindruckt. Sie ist für mich eine Löwin in einem Land, dessen Respekt Frauen sich noch heute erkämpfen müssen. Behutsam, aber selbstbewusst und mit viel Willenskraft setzt sie sich für die Rechte der Mädchen und Frauen ein. Und ich bin mir fast sicher, dass auch das es sein wird, was letzten Endes auch die "Alten" überzeugen wird, dass und warum eine Frau im Gemeinderat sicher eine gute Stellung haben wird: der unbändige Wille, nicht zu reden, sondern eben einfach zu TUN - Umoja!
Und gerade deswegen ist dieses Buch ein Buch, was ich wirklich zu lesen empfehlen möchte - lebt ein Stück des Lebens von Rebecca - lacht mit ihr, weint mit ihr, leidet mit ihr, flüchtet mit ihr, kämpft mit ihr - und liebt mit ihr!
Rezensiert von A. Steidel
Das Buch ist 232 Seiten stark und im südwest Verlag erschienen.
ISBN: 978-3517087139