Ilma Rakusa - Mehr Meer
Autorin: Ilma Rakusa
Für ihr Buch "Mehr Meer" erhielt die 1946 geborene Autorin Ilma Rakusa am 15.11.2009 den Schweizer Buchpreis. Ilma Rakusa spricht sieben Sprachen und ist seit 1977 Lehrbeauftragte an der Uni Zürich. Ihre Kindheit verbrachte sie in Budapest, Ljubljana und Triest, bevor sie mit ihrer ungarischen Mutter und ihrem slowenischen Vater schließlich nach Zürich kam. Dort besuchte sie die Volksschule und das Gymnasium.
Über Zürich sagt Rakusa, dass das eine Stadt ist, die sie mag, die sie emotional nicht besonders aufregt, aber eben auch nicht besonders anregt. Zürich lässt sie einfach sein. Damals hat sie sich mit dieser Stadt eben so darauf geeinigt.
Neben der Schreiberei ist das Klavierspiel ihre absolute Leidenschaft. Anhand der Musik lernt man elementare Denkfiguren, sagt sie. Aber Klavier üben ist nicht lesen oder schreiben, sondern produziert einen anderen Sinn. Es ist eine gewisse Art Ordnung, etwas Geformtes und Gestaltetes. Das beruhigt sie in einer ansonsten doch recht chaotischen Welt.
Ilma Rakusa gilt als introvertiert und lebt in und zwischen verschiedenen Kulturen. Dennoch hat sie in ihrem autobiografischen Roman "Mehr Meer" viel von sich Preis gegeben. Aber sie hat auch viel Persönliches behalten, sagt sie. Das Buch ist eine Reise durch Europa, eine Reise zu sich selbst. Es erzählt von Rastlosigkeit, Emigration und ist sehr poetisch geschrieben. "Ich war ein Unterwegskind", äußert Ilma Rakusa im Interview nach der Preisverleihung.
Ihre Autobiografie verfolgt den Weg des Mädchens Ilma in einer Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg in Mitteleuropa. Ihre Lebensstationen waren außer den zuvor erwähnten weitere ab Zürich, weiter ausgreifend nach Ost und West, nach Leningrad/Petersburg und Paris. Ilma war überall Fremde und nie ganz zugehörig. Sie entdeckte neben der Musik auch Dostojewski und fand in beidem eine Art Heimat, ebenso wie in der Bewegung, im Reisen, eben im Unterwegs sein - das Unterwegskind. Ihre Autobiographie Mehr Meer ist mehr als der pure und nackte Rückblick in vergangene Tage, es beschwört Töne und Klänge, Farben und Stimmungen sowie das ein oder andere Einzelszenario in Bildern und Blitzlichtern. Es ist ein Übrigbleibsel aus vielen Begegnungen und Lebensarten. Ilma packt den Rückblick auf ihre ganz eigene, andere Weise an: mit vielen Selbstbefragungen, Gedichten, Dialogen und eben ihren Erinnerungsbildern. Sie führt den Leser ein großes Stück in ihre alte Welt - einer Welt aus ständigem Ortswechsel, dem Paradies des Meeres, an die Küste in Triest und Grade, die erste Verliebtheit und erste Küsse, die ersten Reisen und Ihr Erleben mit den Ritualen der Ostkirche, bis sie schließlich bei den ersten Jahren im Pariser Ausland verweilt und ins damals noch sowjetische Leningrad schweift.
Der Schreibstil hat ihre eigene Poesie, ist jedoch völlig frei von Sentimentalitäten. Es gleicht einer stoischen Genauigkeit, wie Ilmas 50er und 60er Jahre erstehen, eben mit dem prismatischen Blick einer wirklich außergewöhnlichen Autorin.
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Literaturverlag Droschl; Auflage: 1 (4. August 2009)
ISBN: 978-3854207603